Der Praktikumsbericht für März 2022

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Seit nunmehr einem Monat bin ich offiziell „DER PRAKTIKANT“ der „FRAKTION der Partei DIE PARTEI im Rat der Stadt Dortmund“. – Ein Amt, dass ich mit Fleiß, Tatendrang, Engagement, Bewunderung und Respekt angehe.

Nun möchte ich euch meine ersten Eindrücke der Lokalpolitik offenbaren:
Meine Vorstellung von Kommunalpolitik hat sich mehr als bewahrheitet! Ein marodes Nachkriegsgebäude gefüllt mit biederen, spießigen Nazis und/oder Verwaltungsfachangestellten. Ein weiterer wichtiger Aspekt für den öden Beamtenflair, ist der kratzende, muffige Filzteppich, der sich über das ganze Gebäude erstreckt.
Das perfekte Sinnbild eines SPD-Kommunalpolitikers!

Während sich im ersten Stockwerk des Übergangsrathauses die Fraktionen sPD, €DU, DIE LINKE+ und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN die Flure teilen, müssen wir im horrorartigen zweiten Stock unser Dasein fristen. Neben einigen meistens freundlichen Verwaltungskräften befindet sich unser Zentrum der Macht in einem Gang mit einer sogenannten „Spaßfraktion“ der „FDP/Bürgerliste“ und der „FCKAFD“. So wird der tägliche Gang zur Arbeit zum Spießrutenlauf. Mangels eigener Teeküche läuft man dauerhaft Gefahr, einem debilen, alten weißen Mann in die Arme zu laufen. Allein bei dem Gedanken fallen mir genügend Verbalinjurien gegen die Usancen ein. Welch schlimme Zustände!

Aber ich kann auch noch viel lernen. Unsere Fraktionsgeschäftsführerin Nadja kann den Drucker einwandfrei bedienen. Etwas, was wir restlichen MitarbeiterX der Geschäftsstelle noch lernen müssen. Gott sei Dank brauchen wir diesen Drucker nicht so oft, denn das „D“ in Nadja steht für Digitalisierung. Große, umweltschädliche Papierberge landen bei uns im Müll. Grund dafür ist die herausragende, technische Kompetenz von Frau Reigl, die seit Beginn sämtliche (langweilige) Sitzungsunterlagen von Rechnungsprüfungsausschuss und Co. direkt von Dosys an uns per Mail weiterleitet.

Aber kommen wir zum wichtigen Teil meines Jobs – Kaffee kochen. Hier mein Tipp für einen perfekten Bürokaffee:

Nach Möglichkeit kräftige, starke Bohnen, gemahlen, mit 80ml heißem Wasser. Je nach Boomerhaftigkeit wahlweise „Kaffeeweißer“ oder Hafer- bzw. Kondensmilch. Für den intellektuellen, überarbeiteten Ratsherren Stefan „Dond“ Dondrup wird der sogenannte „Pädagogen-Diesel“ schwarz mit einem Würfel Zucker serviert.
Kommen wir zu den Lichtblicken meines Arbeitsalltages: Geld. Dank der „Kaiserin vom Viertel“ Kathi Diwisch bin ich weiterhin krankenversichert – Danke! Denn anders als üblich in der Politik achtet man hier auf den Pöbel.

„Einigkeit, Recht und Freiheit“, diese falsch zitierten Zeilen unserer Nationalhymne beschmücken die Türen der FCKAFD-Ratsfraktion. Warum die Bernd Höcke Ultras nicht „Deutschland, Deutschland, über alles“ an der Tür stehen haben, überrascht mich regelmäßig aufs Neue.

Die produktivste, seriöseste Arbeit findet mit Lisa statt. Wir, die selbsternannten „Schnittchenjäger“, machen Politik zum Spielfeld des berauschten Arbeitens. Krasser Job!

Das Beste kommt zum Schluss. Der Fraktionsvorsitzende O.Love Schlösser, politische Muse und Mentor, macht Politik endlich seriös. Trotz hohen Alters und Cringemomenten wegen seines Boomer-Daseins weiß er die Jugend zu begeistern.

Kommen wir zum Fazit:
Kommunalpolitik und Langeweile, das passt so gut wie CDU und Maskendeals (Korruptionssmiley). Mal gucken, was die Zukunft so bringt, ich bin ja schließlich noch ein bisschen Praktikant.

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